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Warum bin ich introvertiert?

Aktualisiert: Juli 27

"Quiet people have the loudest minds." (Stephen Hawking)

Hast Du Dich schonmal gefragt "warum" Du jemand bist, der eher Energie tankt, wenn er in sich gekehrt ist?


Von Extrovertierten, so sagt man, ist es anders der Fall. Sie können ihre Akkus durch die Gesellschaft anderer aufladen und sind bei vielen äußeren Reizen weniger schnell überfordert. Doch warum ist das so?


Ich habe mich der Frage angenommen und musste feststellen, dass all die gesammelten Erkenntnisse nicht nur faszinierend sind, sondern auch das dadurch gewonnene Verständnis durchaus hilft, eine positive Sichtweise zur eigenen Introversion zu entwickeln. Und die ist besonders wichtig, wenn es darum geht echtes Selbstbewusstsein zu entwickeln und vermeintliche Schwächen zu Stärken transformieren zu lassen.

1. Neuronale Verknüpfungen


Das Gehirn von Introvertierten wird stärker durchblutet und dadurch entsteht eine ständig höhere Aktivität. Dabei fließt das Blut durch unterschiedliche Hirnareale, besonders durchblutete Gehirnbereiche sind Introvertierten eher die, welche für die Planung, das Gedächtnis und das Problemlösen zuständig sind. Dies hat zur Folge, dass das Denken bei introvertierten Menschen intensiver vonstattengeht und sie mehrere Informationen in ihre Entscheidung einbeziehen - was auch erklärt, weshalb sie an dieser Stelle mehr Zeit brauchen.

Vorteile:

  • gute Zuhörer,

  • ausgeprägtes Erinnerungsvermögen,

  • diplomatische Fähigkeiten,

  • vorsichtiger bei schwerwiegenden Entscheidungen,

  • analytisches Denken sehr ausgeprägt,

  • gute Konzentrationsfähigkeit und

  • ausdauernde Beharrlichkeit.

Nachteile:

  • schneller überfordert und reizüberflutet,

  • Probleme mit Hektik, Trubel und lauten Geräuschen,

  • schmaler Grat zu sozialer Isolation/Einsamkeit und

  • unberechtigte Unterstellungen mangelnder Intelligenz durch Außenstehende.

2. Physiologie und Genetik


Introversion hat sowohl genetische als auch biologische Ursachen. Die Dimension der Intro- und Extraversion wir heutzutage als eine der fünf wichtigsten Persönlichkeitsmerkmale (Big Five) angesehen. Auch in Eysencks PEN-Modell bildet die Dimension "Extraversion - Introversion" mit den beiden anderen Neurotizismus und Psychotizismus das dreidimensionale Koordinatensystem zur Beschreibung der menschlichen Persönlichkeit. Es scheint also so, dass Introversion als eines der wichtigsten Persönlichkeitsmerkmale angeboren und daher kaum änderbar ist. Introvertierte Erwachsene waren meist auch als Kind schon in sich gekehrt. Zusammenhänge zur Lebenskultur oder auch zur Umwelt können weniger hergestellt werden. Vielmehr handelt es sich hierbei um eine tiefverwurzelte Persönlichkeitsstruktur, die von außen nur schwer erschüttert werden kann.

3. Hirnphysiologische Merkmale: Dopamin


Auch hirnphysiologische Merkmale spielen bei Introvertiertheit eine Rolle. Hier ist vor allem die Ausschüttung von Neurotransmittern, wie Dopamin ausschlaggebend. Dopamin dient als Neurotransmitter der Kommunikation der Nervenzellen. Introvertierte Menschen sind sehr empfänglich für Dopamin, heißt, sie benötigen weniger davon, um stimuliert zu werden. Die Konsequenzen für introvertierte Menschen sind, dass sie sich schnell überfordert und erschöpft fühlen und öfters das Gefühl haben, dass der "Kopf zu voll" ist. Zudem neigen sie dazu, Informationen langsamer, aber deutlich sorgfältiger zu verarbeiten.

4. Dopamin und Zusammenhang von Neugierde und Risikobereitschaft?


Der Neurotransmitter Dopamin hat verschiedene Funktionen. Er trägt einen großen Teil der Verantwortung, was unsere Glücksgefühle, Motivation und Neugierde angeht. Wie bereits erwähnt, sind introvertierte Menschen empfindlicher für Dopamin. Daraus lässt sich die These ableiten, dass sie weniger Aufregung und Stimulanz benötigen. Neugierde und Risikobereitschaft halten sich bei introvertierten Menschen genau deshalb in Grenzen - und Ruhe und Entspannung wird vorgezogen. So ergaben Untersuchungen, dass der primäre Neurotransmitter der introvertierten Personen weniger Dopamin, sondern mehr Acetylcholin ist. Dieser sorgt für eine ruhigere Aufmerksamkeit, greift auf das Langzeitgedächtnis zu und vermittelt ein gutes Gefühl beim Nachdenken.

5. Sympathikus und Parasympathikus


Die beiden Gegenspieler in unserem Nervensystem sind der Sympathikus und Parasympathikus.

  • Sympathikus: aktiviert die nach außen gerichtete Handlungsbereitschaft

  • Parasympathikus: sorgt für Ruhe, Erholung und Schonung

Acetylcholin ist dabei die Überträgersubstanz dieser beiden Gegenspieler in unserem Nervensystem. Marti Olsen Laney führt die Introversion und Extraversion genau auf diese zwei Gegenspieler im vegetativen Nervensystem zurück.

Allgemeines Fazit


Introvertierte Menschen sind weder unsozial, noch desinteressiert an ihrer Umwelt. Sie sind in sich gekehrt, sie schöpfen ihre Energie also aus dem Inneren heraus. Während extrovertierte Personen vermehrt äußere Reize brauchen, um stimuliert zu werden, fühlen sich Introvertierte durch zu viele äußere Einflüsse schnell überfordert. Wenn Du das nur zu gut kennst, ist es wichtig, dass Du Dir regelmäßige Phasen der Ruhe schaffst und Dir zum Nachdenken die Zeit nimmst, die Du benötigst. Extrovertierten wird schneller langweilig, bei Dir ist der Kopf schnell voll. Noch eine gute Nachricht für Dich als Introvertierten: Man sagt nach innen gerichtete Menschen sind im Schnitt intelligenter, als Extrovertierte. ;)

Verwendete Literatur:

  • Beaumont, J.G.: Einführung in die Neuropsychologie. München: Weinheim, 1987.

  • Laney, M.: The Introvert Advantage. How to Thrive in an Extrovert World. Workman Publishing Company, 2002.

  • Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik: Introvertiertheit - Introversion. Verfügbar unter: http://lexikon.stangl.eu/1924/introvertiertheit-introversion/. Stand: 09.07.2020.

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